Tamara Henderson

Evergreen Minutes of the Phantom Figure

23. März bis 2. Juni 2013

Pressetext (Deutsch) Pressetext (Englisch)

Eröffnung: Freitag, 22. März 2013, 19 Uhr

Der Kunstverein Nürnberg freut sich, die erste Einzelausstellung von Tamara Henderson (*1982, Sackville, Kanada) in Deutschland präsentieren zu können.

Ihre künstlerische Praxis umfasst Film, Skulptur sowie eine intensive Beschäftigung mit dem Medium der Sprache. In einer individuellen Methodologie entstehen ihre Arbeiten ausgehend von eigenen Texten und Zeichnungen, die Notationen von alltäglichen Gegenständen und ihren Bewegungsabläufen sowie das Protokollieren ihres Erscheinens in Träumen umfassen. Ihre Aufzeichnungen übersetzt Henderson in Objekte, Drehbücher und Installationen, die auf diese Weise zu Rekonstruktionen des Unbewussten werden. Ausgangspunkt ist das alltägliche Umfeld der Künstlerin: Das Atelier, die Wohnung, die Möbel, das Bett. An diesen Produktionsorten entstehen die Entwürfe zu ihren Arbeiten, die als Nachbilder geträumter Gegenstände und Ereignisse im Moment des Erwachens festgehalten werden. Ähnlich wie es der surrealistische Schriftsteller André Breton (1896 – 1966) in seiner Schrift Introduction au discours sur le peu de réalité (1924) vorgeschlagen hat, realisiert Henderson in ihrer Arbeitsweise Objekte und Settings, die im Traum ohne bewusste Erinnerungen und äussere Einflussnahmen wahrgenommen werden.

In ihrer Ausstellung im Kunstverein Nürnberg präsentiert Henderson zwei aktuelle 16mm Filme, Neon Figure (2013) und The Spirit of Garfield (in Spite of NH) (2012) sowie drei Möbelskulpturen, die jeweils nach einer Hypnose-Sitzung entstanden sind. Die Hypnose, die heute als wissenschaftlich anerkannte Therapieform als Zugang zum Unterbewussten verwendet wird und die helfen soll, neue Gedankensysteme zur Selbstverwirklichung zu einwickeln, nutzt Henderson, um die eigene künstlerische Kreativität zu beeinflussen. Der Therapeut bedient sich in der Sitzung einer spezifischen Sprachlichkeit, um allein mit Worten Erinnerungen an individuelle Begegnungen mit Möbeln hervorzurufen. Nach der Hypnose fertigt Henderson eine Zeichnung an, welche die Ideen zur Form, Grösse, Material und Farbigkeit des vorgestellten Gegenstands festhält und rekonstruiert die Skulpturen ungeachtet ergonomischer Bedenken nach der Skizze. So ist die Skulptur Kressengarten Chair (Nuremberg) (2013) nach einer Hypnosesitzung direkt in den Räumlichkeiten des Kunstvereins Nürnberg entstanden.

Basierend auf Notationen des Unbewussten folgen Hendersons Filme und Skulpturen einer traumartigen Struktur, deren Spuren und Fragmente sich nie zu einem zusammenhängenden Ganzen finden und dennoch einer eigenen Gesetzmäßigkeit folgen. Die Objekte werden zu eigenständigen Akteuren, geleitet von Kräften, deren Ursachen und Wirkung nicht mehr einer Person zugeordnet werden können. Es entfaltet sich eine Spannung zwischen wechselseitigen physikalischen Kräften, welche die subjektive und die objektive Welt miteinander vermischt und das Irrationale zur Hauptfigur macht, dessen Ausschluss aus dem Rationalitätskonzept seit der Moderne immer noch grundlegend ist.

Tamara Henderson (*1982, Sackville, New Brunswick, Kanada) lebt in Vancouver und Stockholm. Sie hat am Nova Scotia College of Art and Design in Halifax, Kanada, an der Städelschule in Frankfurt a. Main sowie an der Royal Art Academy in Stockholm studiert. Letztes Jahr hat sie den 16mm Film Sloshed Ballot & Anonymous Loan (2011) an der documenta (13) in Kassel präsentiert und war unter anderem in der Gruppenausstellung Pensée Sauvage (2007), kuratiert von Chus Martinez, im Frankfurter Kunstverein und in der Ursula Blickle Stiftung in Kraichtal-Unteröwisheim vertreten. Erst kürzlich war sie in den Gruppenausstellungen Bottles Under the Influence in der Walter Philips Gallery, Banff Alberta und in Edible Glasses in der Western Front Gallery in Vancouver (beide 2013) zu sehen. Im Kunstverein Nürnberg zeigt die Künstlerin nach Einzelausstellungen in der Gallery Mejan in Stockholm (2010) und in der A1C Gallery, Neufundland, Kanada (2010) ihre erste grosse insitutionelle Einzelausstellung.

Zeitgleich zeigt der Kunstverein Nürnberg die Einzelausstellung Menu von Kirsten Pieroth.

Presse:
Frieze d/e, Nürnberger Nachrichten, Nürnberger Zeitung

Für die Unterstützung der Ausstellung danken wir: