ABER WENN WIR EIN BILD ENTWERFEN, WERDEN SIE DIE AUGEN VERSCHLIESSEN!

 

Alice Creischer / Andreas Siekmann / Josef Strau / Amelie von Wulffen, Harun Farocki, Anna Bella Geiger, Peter Thompson, Sung Tieu

organisiert von
Pujan Karambeigi und Thuy-Han Nguyen-Chi

Donnerstag, 24. Mai 2018, 19 Uhr, ca. 90 min

im Rahmen von
DIE STELLE DES SCHNITTS
Renée Green, Thuy-Han Nguyen-Chi, James Richards, Cosey Fanni Tutti
20. April bis 24. Juni 2018

Manchmal funktioniert es wie ein Krimi: Opfer, Täter_in, Tathergang, Motiv. Die Aufklärung steht dann natürlich am Ende und manchmal ist das entscheidende Indiz die Tatwaffe, an der die Fingerabdrücke nur unsauber abgewischt wurden und die in irgendeinem entlegenen Waldstück zufällig von einem arglosen Wanderer gefunden wurde. Endlich kann die entscheidende Verbindung hergestellt werden. Unter der Last der Beweislage bricht die Täter_in dann manchmal unter Tränen zusammen und gesteht, wie es wirklich war: manchmal ist es Eifersucht, manchmal Neid, und meistens persönlich.

Der Titel des Screenings ist ein doppeltes und falsches Zitat: Halb entnommen aus Harun Farockis Nicht löschbares Feuer (1968) und halb aus der Kollaboration Die krumme Pranke (1997), in dem Farocki nur halb und fast richtig zitiert wird. Halb und fast richtig zitieren bedeutet: eine Spur legen um sie gleichzeitig zu verwischen; oder eine Spur weiterentwickeln, die schon irgendwo anderes angefangen und nicht ganz zuende geführt wurde. Vielleicht ist das die Verbindung zwischen Zitat und Krimi, zwischen Philologe und Detektiv: die grausame Wahrheit durch eine zufällige Spur ans Licht bringen.

Die Filme, die wir hier zeigen, sind falsche Philologien und echte Krimis: Sie entwerfen Bilder – d.h. sie benutzen, analysieren und organisieren Bilder – um den Dingen auf den Grund zu gehen. Langsam wird man an die Wahrheit herangeführt; langsam werden Motive und Tathergänge dargelegt, bis es irgendwann so klar wird, das sich die Klarheit anfängt zu drehen. Manchmal im Kreis, und manchmal in einer Spirale. Dabei wird klar, dass die entworfenen Bilder gleichzeitig Spur und Motiv, Täter und Opfer sind.

1. Anna Bella Geiger, Mapas elementares no. 1 und no. 3, 1976
2. Harun Farocki, Auge/Maschine III, 2003
3. Alice Creischer, Andreas Siekman, Josef Strau, Amelie von Wulffen, Die krumme Pranke, 1997
4. Sung Tieu, Memory Dispute, 2017
5. Peter Thompson, Universal Citizen, 1987

Pujan Karambeigi studiert Modern and Contemporary Art History am Department for Art History der Columbia University, New York. Er ist Kurator der Plattform warehouse.industries sowie Mitgründer des kuratorischen Kollektivs super filme, wo er seit 2014 Talks und Screenings u.a. am Close-Up London, am Hartware MedienKunstVerein Dortmund und am Ballhaus Ost Berlin organisierte. Außerdem ist er Curatorial Fellow 2018/19 der Wallach Art Gallery NYC.

Thuy-Han Nguyen-Chi lebt und arbeitet in Chicago, USA. Sie studierte Kunstgeschichte und Lateinische Philologie an der Goethe Universität (2009-2012) sowie an der Hochschule für Bildende Kunst – Städelschule Frankfurt a.M. bei Simon Starling und Peter Fischli (2010-2015). Sie ist derzeit Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes und Master-Kandidatin im Film/Video-Deptartment der School of the Art Institute of Chicago. Ihre Arbeit ist zwischen Film, Video, Sound und interdisziplinärer Forschung angesiedelt. Gemeinsam mit der Komponistin Gaile Griciute gründete sie Technologies Of Non/Self, ein offenes Kollektiv, das an den Schnittstellen zwischen zeitgenössischer Kunst und sonischer Komposition arbeitet.