Kunstverein Nürnberg – Albrecht Dürer Gesellschaft

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Circuit City: Three Sequences on Video Art in New York, 1970s–1990s
Sequence III

28. März 2026, 14:00 Uhr

Sequence III: Crisis City: Media, Protest, Counter-Publics
28.03.2026 – 19.04.2026

Howardena Pindell, “Free, White, and 21”, 1980; 12:15 Min.

Sequence III: Crisis City: Media, Protest, Counter-Publics
28.03.2026 – 19.04.2026

Dieses dreiteilige Video- und Filmprogramm, kuratiert von Elisa R. Linn und Lennart Wolff, versammelt Bewegtbild-Arbeiten, die zwischen den 1970er-Jahren und den frühen 1990er-Jahren in New York entstanden sind. Der Titel des Programms ist der kollaborativen Videoarbeit „Circuit City” von Julia Heyward entlehnt, mit Musik von John Paul Jones und Hintergrundanimationen von Ericka Beckman. Das Programm spiegelt das künstlerische und politische Umfeld wider, das Heywards Praxis prägte, und verortet sie zugleich innerhalb einer breiteren Landschaft experimenteller Video- und Performancearbeiten.

Die Vereinigten Staaten der 1980er und frühen 1990er Jahre waren von sich überlagernden Krisen geprägt, darunter die AIDS-Epidemie, erneute Spannungen im Kalten Krieg, die Interventionen der USA in Lateinamerika sowie die konservative Gegenbewegung der Reagan Ära. Als Reaktion darauf wandten sich Künstler_innen dem Video als einem dringlichen Medium zu, das schnelle Zirkulation, politische Kritik und die Verbreitung von Informationen ermöglichte, die von den MainstreamMedien unterdrückt oder ignoriert wurden. Entgegen Erzählungen, die diese Zeit als entpolitisiert oder konsumorientiert beschreiben, operierte Videokunst weitgehend außerhalb etablierter Rundfunksysteme und schuf alternative Kommunikationskanäle und Gegenöffentlichkeiten, die staatliche Macht herausforderten und eng mit aktivistischen Bewegungen wie ACT UP verbunden waren. Zugleich markierten Ausstellungen wie „Homo Video: Where Are We Now? A Program of Videotapes by Gay Men and Lesbians”, die 1986 im New Museum in New York stattfand und von William Olander kuratiert wurde, eine weitere Kanonisierung des Mediums, um das herum neue Foren, Festivals und kulturelle Institutionen entstanden. Vor dem Hintergrund dieser sich wandelnden urbanen und medialen Landschaft begreifen die Arbeiten in Sequence III die Stadt als Ort der Krise und Konfrontation – geprägt von Protest, Überwachung und medial vermitteltem Spektakel – zugleich aber auch als Raum der Selbstorganisation und alternativer öffentlicher Lebensformen. Durch Aneignung, Performance und direkte Ansprache mobilisieren sie Video, um racialisierte, geschlechtsspezifische und sexualisierte Ausschlüsse zu kritisieren, und positionieren das Medium sowohl als politisches Instrument als auch als gemeinschaftliche Plattform zur Imagination neuer Formen des Öffentlichen.

1. Howardena Pindell, “Free, White, and 21,” 1980; 12:15 Min.
2. Paper Tiger Television, “Nolan Bowie on High Tech Snooping: the Government Shares the Deadbeat Dad List,” 1984; 28:00 Min.
3. Dara Birnbaum, “Damnation of Faust: Charming Landscape,” 1987; 10:02 Min.
4. Tom Rubnitz, “Strawberry Shortcut,” 1989; 1:30 min / “Listen to This” (with David Wojnarowicz), 1992 / 1995; 15:00 Min.